Mittwoch, 20. Juli 2011

Game of Thrones im SPIEGEL....leider.



Auch beim Hamburger Traditionsblatt "SPIEGEL" hat man mittlerweile Wind davon bekommen, dass Game of Thrones in den USA & UK überaus erfolgreich war. Nur leider ist das Resultat ein recht fragwürdiger, wenn nicht sogar verkorkster Artikel !

Dass das US Fernsehen mit seinen Serien dem deutschen in aller Regel überlegen ist, hat man bein SPON ja schon länger bemerkt, so wird man zBsp nicht müde The Wire zu loben, was ja auch seine Berechtigung hat.
Aber der Artikel über Game of Thrones ist in Teilen durchaus fragwürdig, der Titel "Kabale, Hiebe & Geschwisterliebe" lässt schlimmes erahnen.

  • "angereichert mit für das aktuelle US-Erwachsenenfernsehen mittlerweile typischer expliziter Brutalität und Oben-Ohne-Erotik. Es wird geredet, geritten, bei Bedarf geköpft und ausführlich einander beigewohnt, vor allem die Wilden aus dem Südosten mögen es a tergo."
    Es ist hiermit Herrn Kuzmany (dem Autor des Artikels) dringend angeraten, auch mal einen Blick in die Bücher zu werfen, denn das Freizügige findet sich zu 95% auch in den Büchern, der TV Serie die gängige Interpretation "Amerikaner sind prüde, aber in schizophrener Weise wild danach" unterzuschieben ist also fehl am Platze. Überhaupt wird die Romanvorlage, deren neuster Band "A Dance with Dragons" erst kürzlich die Bestsellerlisten gestürmt hat, nur in einem einzigen Satz erwähnt. Schwach.
  • "Oder der Reiterkönig Khal Drogo (Jason Momoa), dessen nordafrikanisch anmutende Horden offenkundig talibanhaft durch die Landschaft marodieren und ihre versklavten Frauen behandeln wie Tiere."
    Herr Kuzmany unterliegt hier wieder der Versuchung, alles zeitaktuell zu interpretieren, was imo kläglich scheitert. Dunkelhäutig? Check! Behandeln Frauen schlecht? Check! Haben Bärte? Check! So bauen wir uns einen Talibanvergleich. Dass die Kultur der Dothraki vielmehr in der Kultur asiatischer Steppennomaden angelehnt ist, kann oder (meine Vermutung) möchte er nicht sehen.
  • "Da sind einerseits die Grundguten, allen voran der treue Eddard Stark, den vor allem soldatische Tugenden auszeichnen, nebenher ist er selbstredend ein liebender Familienvater und bezahlt sogar seiner kleinen Tochter, die lieber Ritterin werden will als Burgfräulein, den Schwertkampfunterricht. Ein Held, wie ihn die amerikanischen Zuschauer wohl in der realen US-Army imaginieren sollen."
    Einfallsreich und voller Fantasie ist Herr Kuzmany ja, das muß man ihm lassen. Auch hier sieht er wieder zeitgenössische Gespenster, sie scheinen ihm ja auch zu gut zu gefallen.


Es ist ja schön dass sich SPON dieses Themas annimmt, aber dann bitte sollte das gesamte Phänomen, also auch die Bücher, miteinbezogen werden. Wenn man schon die Serie solitär betrachten will, so sollte der Verfasser zumindest eine der vielen exzellenten Seiten zum Thema besucht und gelesen haben, um einen tatsächlichen Einblick in die Figuren und das Setting zu erhalten. So könnte auch verhindert werden, dass eine ehr von der Ära der Rosenkriege inspirierte Geschichte gewaltsam in die Gegenwart gezerrt wird, selbst wenn der Drang dazu noch so groß ist.

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